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2. September 2009

Maria Esmeralda is back

Lange habe ich nichts mehr von der Wahrsagerin meines Vertrauens gehört. Maria Esmeralda. Unablässig hatte sie mir neue Angebote gemacht, wie sich mein Leben doch noch zum Guten wenden könnte. Dann war nach vier mehrseitigen Briefen auf einmal Funkstille. Mein Vorschlag, Sie an meinem bevorstehenden Reichtum zu beteiligen, hatte sie wohl beleidigt. Ich begann mir ernsthaft Sorgen zu machen.
Bis ich gestern die kostenlose Fernsehbeilage meiner Tageszeitung nach einem Kreuzworträtsel durchsuchte. Da war sie wieder. Diesmal mit einer fast ganz neuen Masche:

Diese 3 Münzen aus China werden es Ihnen ermöglichen, sich Ihre 3 dringendsten finanziellen Wünsche zu erfüllen.

Mir fehlte und fehlt leider das Verständnis, wie man mehr als einen finanziellen Wunsch haben kann. Als erste wünsche ich mir, immer genügend Geld für alle meine Wünsche zur Verfügung zu haben, als zweites äähh... nochmal, sagen wir mal 3,80 € und als drittes - weiß ich auch nicht. Mit den ersten beiden Wünschen habe ich ja schon den Rest meines Lebens exakt 3,80 € zu viel.

Dann kommt, was wir von Maria schon kennen: Ich habe finanzielle Problem, blabla, ich möchte zu den 1134 priviligierten Personen zählen, blabla. Ich brauche hierfür nichts bezahlen - weder jetzt, noch später.

Hier kommt das Neue an der Masche. Es ist kostenlos! Obwohl - das hatte sie beim letzten mal ja auch gesagt.

Zusätzlich werden mir kostenlos die unverzichtbaren Informationen über die Feng-Shui-Rituale versprochen. Wenn die tatsächlich ebenso kostenlos wie unverzichtbar sind, sollte man sie vielleicht im Web veröffentlichen.

Ich spiele mit dem Gedanken, es wieder zu probieren. Dazu muss ich nur ankreuzen, dass vier Bedingungen von mir erfüllt werden:
1. Ich habe ein finanzielles Problem.
2. Ich bin ein Pechvogel (kein Witz, das steht in der Anzeige)
3. Ich verpflichte mich die Rituale einzuhalten (ich weiß noch nicht welche, aber ich werfe mir keine toten Katzen über die Schulte. Nicht nachts. Nicht auf einem Friedhof. Gar nicht!)
4. Sobald ich mein finanzielles Problem gelöst habe, gebe ich die Münzen weiter.

Letzteres mache ich gerne. Ich kann sogar noch 3,80 € dazu legen.

9. Mai 2009

Maria Esmeralda (3)

Fast habe ich ja geglaubt Maria Esmeralda habe mich verstoßen und meine Ignoranz habe gegen ihre Renitenz gewonnen. Doch das war ein Pyrrhussieg. Sie hatte meine "Akte" einfach an Anne de Bretagne, ihre beste Freundin, weitergegeben. Sie bezeichnet sich als "Seherin und einzige Nachfahrin der Seherinnen von Kerizinen Finistère". Das klingt natürlich beeindruckend, wenn man weiß, wer diese berühmten Seherinnen von Kerizinen Finistère waren. Ich weiß es nicht. Google auch nicht.
Wie der Zufall ist will, lebt die gute Anne in dem gleichen 10.000-Seelen Kaff in der Schweiz, wie Maria Esmeralda. Das scheint ja ein Eldorado der Hellsichtigen zu sein.

Anne des Bretagne hat mich nun angeschrieben. Um meinen kognitiven Aufwand gering zu halten, ist der Brief exakt genauso formatiert, wie die bisherigen von Frau Esmeralda. Nur das Bild in der Ecke zeigt ein anderes altes Schrapnell und die gedruckte Unterschrift ist eine andere. Selbst der Rückumschlag ist der gleiche, wie bisher und an Maria Esmeralda adressiert.

Auch ihr Anliegen zeigt gewisse Parallelen zu den bisherigen Schreiben aus der Schweiz. Sie möchte mir einen einmaligen und unbezahlbaren Schlüssel überreichen. Kostenlos natürlich:

Ich denke, dass Du dich wundern wirst, liebe Zapod, wenn Du erfährst, warum ich Dir diesen Schlüssel überreichen muss, für den Du aber nichts bezahlen musst. Nicht jetzt und auch später nicht, obwohl dieser Schlüssel unbezahlbar ist.

Die richtige Schreibweise meines Namens und mein Geschlecht haben es offenbar noch nicht in meine Akte geschafft.
Ich will Euch das Blabla, mit dem erläutert wird, warum gerade ich diesen Schlüssel erhalten soll, ersparen. Vielleicht scanne ich die Briefe mal ein, damit Ihr sie Euch ansehen könnt, wenn ihr mal ein wenig Aufheiterung braucht.

Fazit des Ganzen ist, dass ich tatsächlich den Schlüssel kostenlos (und vermutlich auch umsonst) bekommen kann. Das aber nur zusammen mit einer "GROSSEN DATIERTEN PROPHEZEIUNG" Die ist so wichtig, dass sie immer in Großbuchstaben geschrieben wird. Diese kostet aber 40 € inklusive Versand.
Das sollte dieser einmalige Schlüssel mir doch wert sein, oder? Ich denke nicht.
Es gibt übrigens ein Rückgaberecht bei der PROPHEZEIUNG. Wenn ich nicht zufrieden bin, kann ich sie zurück schicken. Dann bekomme ich das Geld wieder und darf den Schlüssel behalten. Fairer Deal erstmal, wenn ich auch nur für fünf Pfennig Vertrauen zur Schweizer Hellseherriege hätte.
Wenn jemand bereit ist 40 € bereit zu stellen, werde ich den Schlüssel und die Prophezeiung gerne beantragen und berichten. Mein Geld ist mir allerdings zu schade. Der edle Spender darf dann den Schlüssel behalten.

27. März 2009

Maria Esmeralda (2)

Es ist an der Zeit mal wieder über Maria Esmeralda zu berichten. Nicht, dass Sie meinen Antwortbrief mit einer Reaktion geadelt hätte. Trotzdem bin ich inzwischen im Besitz vierer Ihrer Serienbriefen. In allen wird mir von meinem bevorstehenden Glück berichtet, nur um mir auf der letzten Seite aufzulisten, was ich dafür zu bezahlen habe. Heute will ich Euch erstmal vom zweiten Brief berichten, der bereits im Januar kam, also sehr kurz nach dem ersten. Er begann so:

Vor einiger Zeit, als ich vor dem Kamin saß und mich ganz fest auf mein magisches Buch konzentrierte, geschah es, dass ich in leuchtenden Buchstaben Ihren Namen, Zapod [...] vor mir sah!

Ihre Visionen haben also die gleichen Probleme meinen Namen richtig zu schreiben, wie sie selbst. Trotzdem hatte ich nach dem Satz gar nicht mehr das Gefühl einen anonymen Serienbrief bekommen zu haben. Es war ein ganz individueller Serienbrief. Ich fühlte mich soo verstanden!

Höhere Mächte haben mir befohlen, Ihnen zu helfen!

Um eines Vorweg zu nehmen, die höheren Mächte haben nicht befohlen, das auch kostenfrei zu erledigen.
Nach dieser fröhlichen Botschaft muss aber erstmal der nötige Druck aufgebaut werden. Nach fünf (!) gedruckten Seiten weiteren Blablas:

Ich muss daher unbedingt innert 10 Tagen eine Nachricht von Ihnen erhalten.

Das Wort "innert" ist im Übrigen keine schrullige Eigenart einer schrulligen alten Tante. Vielmehr ist es eine schrullige Eigenart eines ganzen schrulligen Volkes. In der Schweiz ist das Wort ganz normal. Was will man erwarten von einem Land, dass Motorräder "Töffs" nennt.

Wenn der Druck aufgebaut ist, wird es Zeit für eine handfeste Drohung:

Es wird nur während dieser 28 Tage funktionieren. Danach kann ich nichts weiter für Sie tun.

Wenn man bedenkt, dass Sie nichts mehr für mich tun kann, ist es doch umso erstaunlicher, dass ich danach noch zwei weitere Serienbriefe bekommen habe.

Ich will es kurz machen. Wenn man sich durch sechs Seiten erbärmlichen Hokuspokus' gekämpft hat, sich über die aufgedruckte Unterschrift gefreut hat, kommt Madame endlich zum Punkt:
Die Abschrift der geheimen Anweisungen aus dem Buch der Magie, die ich für ein nicht näher beschriebenes Ritual benötige, kostet weitere 50 Öcken. Dafür bekomme ich aber einen Mondstein geschenkt, den ich auf jeden Fall behalten darf.
Das ist ein bisschen, als wenn man das Monatsjournal der Modellbahnfreunde abonniert und als Belohnung dafür ein Schlüsselband der Gewerkschaft der Geldbriefträger bekommt. Man weiß gar nicht, was von beiden nutzloser ist.

Ein Zitat noch aus dem Brief. Der erste Satz neben dem Bild der alten Schreckschraube lautet:

Ich möchte Ihnen die unfehlbare Methode anbieten, mit der Sie dank der unglaublichen Kraft des zunehmenden Mondes an einen beträchtlichen Geldbetrag kommen - und das GRATIS"

Das Wort "gratis" war tatsächlich "GRATIS" geschrieben, hat also wohl eine gewisse Bedeutung. 50 € ist wohl die befremdlichste Definition des Wortes "gratis", die mir bisher untergekommen ist.

15. Februar 2009

Maria Esmeralda

Ihr erinnert Euch sicher, dass ich von Maria Esmeralda, ihres Zeichens Wahrsgerin meine persönlichen Glücksdaten und drei Wertvolle Geschenke versprochen bekam. Das alles kostenlos.

Ganz so kostenlos war es dann aber nicht. Hier mein offener Brief an Frau Esmeralda:

Liebe Frau Esmeralda,
vielen Dank für den liebevoll gestalteten Serienbrief, den Sie mir haben zukommen lassen. Es macht nichts, dass Sie meinen Namen falsch abgeschrieben haben. Es macht auch nichts, dass Sie mich für eine Frau gehalten haben, auch eine Wahrsagerin kann ja mal daneben liegen. Es hat dem Charme Ihrers Schreibens auch fast gar keinen Abbruch getan, dass Ihre Unterschrift darauf nur kopiert war. Es hätte ja auch "Dieser Brief ist maschinell ertsellt und gilt auch ohne Unterschrift" darunter stehen können. Das tat es aber nicht und ich weiß das zu schätzen.

Nun zum Inhalt. Sie versprechen mir, ich könne so viel Geld haben, wie ich möchte. Dazu benötige ich aber die zweite Voraussage, für die ich jetzt 50 € bezahlen soll. Das verstehe ich nicht. Zum ersten hatten Sie mir die Voraussage doch kostenlos versprochen, zum zweiten schreiben Sie doch selber in Ihrem Brief, dass Geld mein größtes Problem sein. Sie werden sich daher denken können, dass ich 50 € nicht so ohne weiteres aufbringen kann.
Ich finde es auch verwunderlin, dass ich statt der versprochenen Geschenke nur ein "Pentagramm des Reichtums" bekomme, das Sie einfach auf dem Brief mit drauf gedruckt haben.

Ich würde Ihnen gerne einen Vorschlag unterbreiten: Ich vertraue Ihnen voll und ganz. Da Sie mir sagen, ich werde in Kürze großen Reichtum erlangen (Sie schrieben von mehr als 500.000 €), verspreche ich Ihnen hiermit, dass ich Ihre Unkosten zehnfach zurückzahle, sobald das angekündigte Ereignis eingetreten ist. Ich bin auch gerne bereit, darüber einen Vertrag abzuschließen.

Sie haben mich inzwischen aufgefordert folgende Posten zu bezahlen:
1. 50 € für die zweite Voraussage
2. 50 € für die Übersetzung der geheimen Anweisungen aus dem "Buch der Magie" (die im Übrigen gar nicht nötig ist, da ich Latein beherrsche)
3. 30 € für Sekretariat und Bearbeitung meines Tarots.

Das macht in Summe 130 €. Ich bezahle Ihnen gerne 1.300 €, sobald auch nur 10% des versprochenen Geldsegens (50.000 €) bei mir angekommen sind. Was halten Sie davon?

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen
Zaphod (Herr Zaphod)


Ich freue mich so auf den nächsten Brief!

P.S. Ich habe inzwischen drei Briefe von Frau Esmeralda (vermutlich eher einem geschäftstüchtigen Schweizer) erhalten. Mehr über den Inhalt erfahrt Ihr in den nächsten Tagen.

11. Januar 2009

Rentnerrabatt

Einen Rentnerrabatt bekommen ja üblicherweise der Arbeit Entwachsenen. Manchmal verteilen diese aber auch einen solchen. Zum Beispiel Maria Esmeralda. Wie man bei dem Namen schon vermutet, aus der Schweiz. Sie ist nähmlich eine der berühmtesten Wahrsagerinnen (behauptet sie zumindest) und schon über 35 Jahre erfolgreich im Geschäft (behauptet auch sie). Jetzt möchte Sie aber in den Ruhestand gehen und vorher noch 500 Menschen mit Ihren Weissagungen beglücken.

Da will ich doch dabei sein und habe flugs mein Geburtsdatum in die Schweiz gesandt. Jetzt kann ich es kaum erwarten! Wie sieht meine Zukunft aus?

Ganz verlässlich sind die Aussagen allerding wohl nicht. So schreibt sie "2009 gibt es in zwei aufeinander folgenden Monaten, im Februar und im März, jeweils einen Freitag, den Dreizehnten. Dieses Phänomen tritt nur einmal im Jahrhundert auf [...]" Laut meinem Kalender tritt dieses seltene Phänomen bereits 2015 wieder auf, ebenso 2026. Eigentlich immer, wenn der 13. Februar ein Freitag ist und es sich nicht um ein Schaltjahr handelt. Aber vielleicht plant die Schweizer Regierung ja eine Kalenderreform, die Frau Eseralda bereits vorhergesehen hat.

Ich halte Euch auf dem Laufenden!