25. Mai 2009

Babies for Rent

Seine Kinder schlecht zu behandeln, geniesst ja heutzutage kein besonderes Ansehen mehr. Trotzdem durften gerade Mütter und Väter ihre Kleinkinder für vier Tage an RTL vermieten. Das ganze heißt dann "Erwachsen auf Probe". Dabei sollen die gemieteten Kinder an ältere Kinder zur Pflege verschachert werden. Das dient dann ausdrücklich nicht den Kleinkindern, sondern den Jugendlichen, die mal sehen sollen, wie das so ist, wenn man mit eigenen Blagen leben muss.

RTL verteidigt dieses Format nun damit, man müsse den Postpubertierenden zeigen, was nach einer Schwangerschaft auf sie zu kommt. Ich finde, das ist zu kurz gedacht.
Die richtigen Eltern haben ja dann vier Tage sturmfreie Bude. Da lässt sich doch auch ein Fernsehformat draus basteln. Warum nutzt man die Zeit nicht, auch den Eltern zu zeigen, was auf sie zukommt, wenn die kleinen Racker erst ein paar Jahre mehr auf dem Buckel haben. Bei denen könnte man ja ein paar Kinder auf der Höhe der Pubertät einquartieren. Dann können sich die pickeligen Hormonbomben mal so richtig altersgemäß benehmen. Also so richtig scheiße!

Der Ausblick, dass die kleinen Wonneproppen in wenigen Jahren in diesem Maße unerträglich werden, bringt den einen oder anderen Elternteil vielleicht zukünftig dazu, jede Minute mit ihren Sicherheitskopien zu verbringen, solange sie noch handzahm sind.

Tastsächlich ist natürlich alles nicht so schlimm, wie es scheint. Die Kinder sind nämlich nicht wirklich in der Obhut der Jugendlichen. Vielmehr sind die Eltern immer in unmittelbarer Nähe, aber außerhalb des Blickwinkels der Kameras. So konnte der Sender immer mal eine Minute Stress filmen und suggerieren, die Jugendlichen seinen total verzweifelt, während Mutti schon längst wieder die Brust in den kleinen Kevin gesteckt hat.

11. Mai 2009

Frei von Geist auch beim Thema Kinderporno

Ich habe mich ja vor einigen Tagen darüber echauffiert, wie perfide die Bundesregierung im Windschatten einer allgemein akzeptierten Abscheu gegen Kinderpornographie, ein Zensurwerkzeug für das Internet durchgesetzt hat. Ich halte das ganze Verfahren auch weiterhin für nutzlos als Mittel gegen Kinderpornos aber für hilfreich für auch zukünftige Bemühungen, die Inhalte des Internets für Deutsche zu kontrollieren.

Mit meiner Skepsis sehe ich mich in Gesellschaft vieler Schreiber im Freigeistforum. Es wäre aber nicht das Freigeistforum, wenn der Eine oder Andere nicht eine Bombenidee zu dem Thema auf der Pfanne hätte. So aktuell "Athenist":

Ich finde, man sollte den blosen Konsum und die nichtkommerzielle Verbreitung von Kinderpornographie legalisieren. Sonst kann einem mit Leichtigkeit alles angehängt werden. [...] Ich habe keine Lust darauf, nur aufgrund eines dämlichen Justizirrtums über Wochen oder Monate in den Massenmedien als "Kinderschänder" dargestellt zu werden, weil sich jemand einen Scherz erlaubt und hinter meinem Rücken entsprechendes Materiall auf meinen PC geladen hat.

Der Hirnakrobat ist also der Meinung, dass der Konsum von Kinderpornographie erlaubt werden sollte, weil er zu dämlich ist seinen Rechner sauber zu halten? Es zeigt sich mal wieder, dass für einige Mitglieder dieses Forums "BSE" kein Fremdwort ist. Ich bin gespannt, wie sich das Thema im Forum der vom Geist befreiten entwickelt. Bisher hat keiner sein Gehirnplacebo benutzt, um der perversen These zu widersprechen.

9. Mai 2009

Maria Esmeralda (3)

Fast habe ich ja geglaubt Maria Esmeralda habe mich verstoßen und meine Ignoranz habe gegen ihre Renitenz gewonnen. Doch das war ein Pyrrhussieg. Sie hatte meine "Akte" einfach an Anne de Bretagne, ihre beste Freundin, weitergegeben. Sie bezeichnet sich als "Seherin und einzige Nachfahrin der Seherinnen von Kerizinen Finistère". Das klingt natürlich beeindruckend, wenn man weiß, wer diese berühmten Seherinnen von Kerizinen Finistère waren. Ich weiß es nicht. Google auch nicht.
Wie der Zufall ist will, lebt die gute Anne in dem gleichen 10.000-Seelen Kaff in der Schweiz, wie Maria Esmeralda. Das scheint ja ein Eldorado der Hellsichtigen zu sein.

Anne des Bretagne hat mich nun angeschrieben. Um meinen kognitiven Aufwand gering zu halten, ist der Brief exakt genauso formatiert, wie die bisherigen von Frau Esmeralda. Nur das Bild in der Ecke zeigt ein anderes altes Schrapnell und die gedruckte Unterschrift ist eine andere. Selbst der Rückumschlag ist der gleiche, wie bisher und an Maria Esmeralda adressiert.

Auch ihr Anliegen zeigt gewisse Parallelen zu den bisherigen Schreiben aus der Schweiz. Sie möchte mir einen einmaligen und unbezahlbaren Schlüssel überreichen. Kostenlos natürlich:

Ich denke, dass Du dich wundern wirst, liebe Zapod, wenn Du erfährst, warum ich Dir diesen Schlüssel überreichen muss, für den Du aber nichts bezahlen musst. Nicht jetzt und auch später nicht, obwohl dieser Schlüssel unbezahlbar ist.

Die richtige Schreibweise meines Namens und mein Geschlecht haben es offenbar noch nicht in meine Akte geschafft.
Ich will Euch das Blabla, mit dem erläutert wird, warum gerade ich diesen Schlüssel erhalten soll, ersparen. Vielleicht scanne ich die Briefe mal ein, damit Ihr sie Euch ansehen könnt, wenn ihr mal ein wenig Aufheiterung braucht.

Fazit des Ganzen ist, dass ich tatsächlich den Schlüssel kostenlos (und vermutlich auch umsonst) bekommen kann. Das aber nur zusammen mit einer "GROSSEN DATIERTEN PROPHEZEIUNG" Die ist so wichtig, dass sie immer in Großbuchstaben geschrieben wird. Diese kostet aber 40 € inklusive Versand.
Das sollte dieser einmalige Schlüssel mir doch wert sein, oder? Ich denke nicht.
Es gibt übrigens ein Rückgaberecht bei der PROPHEZEIUNG. Wenn ich nicht zufrieden bin, kann ich sie zurück schicken. Dann bekomme ich das Geld wieder und darf den Schlüssel behalten. Fairer Deal erstmal, wenn ich auch nur für fünf Pfennig Vertrauen zur Schweizer Hellseherriege hätte.
Wenn jemand bereit ist 40 € bereit zu stellen, werde ich den Schlüssel und die Prophezeiung gerne beantragen und berichten. Mein Geld ist mir allerdings zu schade. Der edle Spender darf dann den Schlüssel behalten.

1. Mai 2009

Zitat des Monats (April '09)

Wenn ich [...] behaupte "Im Kühlschrank ist Bier", bin ich Theologe. Wenn ich nachschaue, bin ich Wissenschaftler. Wenn ich nachsehe, nichts finde und trotzdem behaupte, es ist Bier drin - dann bin ich Esoteriker!"

Vince Ebert

27. April 2009

Die schleichende Zensur

Lange Zeit habe ich staunend beobachtet, wie unsere Familienministerin beim Thema Kinderpornosperre Ihre Unkenntnis in der Technik Gassi geführt hat. Immer wieder dachte ich "kann der Frau nicht endlich mal jemand erklären, wovon sie da spricht?" Je länger ich das mitanschaue, umso sicherer bin ich, dass Zensursula genau weiß, was sie tut.

Ganz vorsichtig hat sie zunächst behauptet, man müsse den Leuten, die mit Kinderpornographie Geld verdienen, den Hahn zudrehen. Von den Ermittlern hörte man aber schnell, dass es bisher keinen Hinweis darauf gibt, dass damit irgend jemand Geld verdient. Vielmehr tauscht der eine Perverse mit dem andern, bis jeder jedes erdenkliche Bild auf der Platte hat. So werden auch immer nur Konsumenten ermittelt, aber nie kommerzielle Anbieter. Es gibt sie schlicht gar nicht.
Dann hat Sie nachgelegt und angegeben, man müsse dafür sorgen, dass Unbeteiligte nicht "angefixt" werden. Der Gedanke ist so dämlich, dass ich ihn gar nicht kommentieren mag.

Inzwischen hat Sie eine nutzlose Sperre durchgesetzt, die nur solche Leute zu beeindrucken vermag, die von der Technik ebenso wenig verstehen, wie unsere Familienministerin selber.

Erst in den Tagen danach zeigte sich die wahre Größe der Supermama aus Niedersachsen. Am 20.04. war erstmals dem Gesetzentwurf zu entnehmen, dass die Zugriffe nicht nur gesperrt, sondern auch geloggt werden. Dabei besagt das vom Ministerium vorgstellte und oben gezeigte Stopp-Schild das genaue Gegenteil.

Weder Informationen zu Ihrer IP-Nummer noch andere Daten anhand derer Sie identifiziert werden können, werden [...] gespeichert...

Nachzulesen hier.

Jetzt, nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, kommt der nächste Schritt zum Überwachungsstaat. Das Bundesjustizministerium erwägt eine Echtzeitüberwachung der Zugriffe.

Ulrich Staudigl, Pressesprecher des Ministeriums schildert schon mal, wie man sich das in Zukunft vorzustellen hat:

Ein "aufgrund der Umleitung zur Stoppseite erfolgloser Versuch, eine Internetseite mit kinderpornographischem Material aufzurufen, erfüllt die Voraussetzungen dieses Straftatbestands und begründet daher den für strafrechtliche Ermittlungen notwendigen Anfangsverdacht".

Nochmal auf Deutsch: Einen falschen Link anklicken, schon droht die Strafverfolgung.

Die Ministerien für Familie, Justiz und Inneres haben unter dem Deckmantel des Kinderschutzes also erfolgreich ein Zensurwerkzeug in den Dienst gestellt. Im nächsten Schritt wird es zum Überwachungsinstrument ausgebaut.
Was als nächstes kommt dürfte klar sein. Lobbygruppen fordern, dass auch Tauschseiten für Musik und Filme auf die Liste kommen. Auch Wikileaks ist schon vielen ein Dorn im Auge. Insgesamt wären Internetnutzungsprofile bei der Generierung eines Anfangsverdachts sicherlich hilreich.

Wie gut, dass es noch offene Proxys gibt. Dagegen würde Ursula sicherlich auch vorgehen, wenn sie etwas davon verstünde.

26. April 2009

Vernunft - Wirre Ideen 1:0

Nun ist es amtlich: Berlin bleibt atheistisch!

Wie ich ja schon berichtete, war heute zu entscheiden, ob die Religion einen bedeutenderen Stellenwert in Berliner Stundenplänen haben soll. Wen haben die Christen nicht alles mobilisiert. Sympathieträger wie Tita von Hardenberg oder Arne Friedrich, Schnarchnasen wie Günter Jauch. Mit Mariella Ahrens durfte selbst ein Dschungel-Camp-Insasse besorgt von großflächigen Plakaten glotzen und behaupten, der Fortbestand des Abendlandes stünde auf dem Spiel. Berlin sah aus, wie vor der Bundestagswahl.
Der Slogan war "In Berlin geht's um die Freiheit". Nur zur Erinnerung, der zweite Weltkrieg ist verloren, die Blockade der Russen haben wir überstanden, die Mauer ist bereits gefallen. Jetzt ging es essentiell nur noch um eine Stundenplanänderung.

Das war dem Berliner dann so wichtig, dass immerhin 29,2% zur Wahl gegangen sind. 50% wären nötig gewesen. Als wenn das nicht schon Niederlage genug wäre, haben von denen, die sich beteiligt haben auch noch die Mehrheit Pro-Reli abgelehnt. Also wurde keines der beiden angepeilten Ziele erreicht.
Im Stile eines Politikers vermochte Kardinal Sterzinsky die schallende Ohrfeige der Berliner noch als Sieg zu verkaufen: "Die vielen Unterstützer der Initiative machten Mut." Bei einem Ergebnis, das so fern jeder Erwartung liegt von "vielen Unterstützern" zu reden, zeigt deutlich die Realitätsferne, die für diesen Berufzweig wohl eine Einstellungsvoraussetzung darstellt.

Zu allem Überfluss waren die Kirchen im Vorfeld auch noch gerichtlich gegen den Senat vorgegangen, weil dieser Steuergelder für Kampagnen gegen Pro-Reli verwendet hätte. Sie bekamen Recht. Die Kampagnen für Pro-Reli wurden im Übrigen von der Kirche finanziert. Wenn man mal von den wohl eher kärglichen Opferstöcken absieht also von - Steuergeldern.

Der erste Satz dieses Posts ist natürlich eine Vereinfachung der Situation, aber wohl richtiger als die Einschätzung des Pro-Reli-Initiators Christoph Lehmann. Der hatte gesagt "Berlin ist keine atheistische Stadt". Wohlbemerkt hat er das nach bekannt werden des Ergebnisses gesagt.

23. April 2009

Die besondere Weltsicht der Kirche

Die Vertreter der christlichen Religionen haben ja in letzter Zeit wieder mit interessanten Deutungen der Gegenwart von sich reden gemacht.
Anlässlich seiner Afrikareise hat unser aller Papst nochmal darauf hingewiesen, dass Kondome gegen HIV keine so gute Idee seien. Vielmehr solle man doch gefälligst auf jeden außerehelichen Sex verzichten. Da hat der alte Sack natürlich leicht reden. Wem auch nur das geringste an Sex liegt, hätte wohl kaum seine Laufbahn eingeschlagen.
Welche Folgen es hat, wenn lustfeindliche Enthaltsamkeit als Ersatz für geschützten Sex angesehen wird, kann man in den USA beobachten. Wenn dort die Hormone die Übermacht über den religiösen Blödsinn errungen haben, sind die Jugendlichen in der Regel nicht sonderlich gut vorbereitet. Wo sich europäische Jugendliche schon mit Kondomen eingedeckt haben, wundern sich die Ami-Kids noch, dass die Enthaltsamkeit im Eifer des Gefechts gar nicht so leicht ist.
Das Ergebnis ist die höchste Quote an Geschlechtskrankheiten unter allen Industrienationen und eine erhöhte Menge von Schwangerschaften Minderjähriger, je höher der Einfluss der Kirche ist.

Um die kontroverse Meinung noch zu toppen, hat sich ein paar Tage später der Augsburger Bischof dazu hinreissen lassen, den Nationalsozialismus und den Kommunismus als Folge des Atheismus zu bezeichnen.

Vielleicht wird so eine Botschaft für die Menschen daraus: Kondome nur für Atheisten.

31. März 2009

Zitat des Monats (März '09)

Es gibt Menschen, mit denen will man ums Verrecken nicht einer Meinung sein.

Heinz Rudolf Kunze

30. März 2009

Altersweisheit

Mit zunehmenden Alter werde die Menschen ja häufig ein bisschen merkwürdig. Vergessen das Gebiss im Glas, kaufen sich einen kleinen Fiffy oder hängen wirren Ideen nach. Letzteres gilt leider auch für solche Menschen, denen wir mal das wohl unseres Heimatlandes in die Hände gegeben haben. So wie Andreas von Bülow.
Früher mal Forschungsminister, heute erzählt er der Welt, was am 11. September 2001 in New York passiert bzw. nicht passiert ist.
Auf keinen Fall sind damals von Terroristen entführte Flugzeuge in das World Trade Center geflogen, dass daraufhin einstürzte und 3000 Menschen in den Tod riss. Neiiin. Vielmehr hat die amerikanische Regierung unter Beteiligung der israelischen Weltverschwörung ferngesteuerte Flugzeuge in das WTC geflogen, es im Anschluss gesprengt und zum feierlichen Abschluss auch noch ein weiteres Gebäude gesprengt, dass vorher als Steuerzentrale des ganzen Vorganges gedient hatte.
Leichtgläubige Menschen würden jetzt einwenden, dass doch Zeugen aus den Flugzeugen mit Ihren Angehörigen telefoniert hätten und von Terroristen berichteten. "Haa!" sagt da unser adeliger Ex-Politiker. Das waren Stimmenimitatoren.

Die Quellenlage sieht dann ungefähr so aus:
  • ... anonymer Experte, zitiert auf einer Website
  • Nach Schätzungen...
  • In einem Beitrag im Internet wird behauptet...
Was macht den anonymen Zeugen zum Experten, wenn nicht mal geprüft werden kann, ob er überhaupt existiert? Von wem kommt die Schätzung und wie glaubwürdig ist die? War der "Beitrag im Internet" womöglich im Freigeistforum?

Der Autor hat 245 Fußnoten im Buch verstreut. Alle brisanten Information bleiben aber unbelegt.

Die einzelnen Behauptungen, werde ich in meinem anderen Blog "Die Verschwörer" nach und nach behandeln, den ich auf diesem Wege gerne vorstellen möchte.

27. März 2009

Die paramedizinische Revolution kommt näher

In meinem letzten Post habe ich die Schweizer als "schrullig" bezeichnet. Das war natürlich nicht gerecht. Ich muss zwar immer schmunzeln, wenn Schweizer im Deutschen Fernsehen untertitelt werden, auch wenn sie deutsch sprechen. Trotzdem kann ich mich einer gewissen unbegründeten Sympathie nicht erwehren.

Vor kurzem bekam ich eine Mail, die mich aber kurz dazu bewog, meine Sympathie zu überdenken. Der Absender, selbst Schweizer, informierte mich, dass sein Heimatland, überhaupt der direkten Demokratie ja sehr zugeneigt, am 17. Mai darüber abstimmt, ob nicht alle Medizinrichtungen mit wissenschaftlich nicht belegten (vermutlich weil nicht existenten) Nutzen, staatlich subventioniert werden sollen. Das ganze heißt dann "Zukunft mit Komplementärmedizin". In der Konsequenz sollen so überzeugende Modelle wie die Homöopathie, Neuraltherapie, TCM, naja und halt der ganze andere Blödsinn der immer in diesem Kontext genannt wird, zur Grundsicherung der Schweizer zählen.

Da haben sich dann sogar Nationalrats- und Städteratsmitglieder entblödet die Kampagne zu unterstützen.

Die Initiatoren haben aber auch einen gewissen Sinn für Humor bewiesen. Fordern sie doch tatsächlich:

Es sollen mehr Forschungsgelder für die Komplementärmedizin eingesetzt werden.

Wie bitte? Durch die Forschung wissen wir doch so sicher, dass es sich bei diesen Medizinrichtungen um Blödsinn handelt. Man kann doch nicht Forschungsgelder einfordern, um nachher die Ergebnisse zu verschweigen und zu ignorieren.

All das wären ja vortreffliche Vorlagen, um mit billigen Zoten über die Schweizer herzuziehen, wenn ich nicht fest davon überzeugt wäre, dass so etwas in Deutschland auch jederzeit möglich wäre.

Meinen Dank in die Berge für den Tipp!

Maria Esmeralda (2)

Es ist an der Zeit mal wieder über Maria Esmeralda zu berichten. Nicht, dass Sie meinen Antwortbrief mit einer Reaktion geadelt hätte. Trotzdem bin ich inzwischen im Besitz vierer Ihrer Serienbriefen. In allen wird mir von meinem bevorstehenden Glück berichtet, nur um mir auf der letzten Seite aufzulisten, was ich dafür zu bezahlen habe. Heute will ich Euch erstmal vom zweiten Brief berichten, der bereits im Januar kam, also sehr kurz nach dem ersten. Er begann so:

Vor einiger Zeit, als ich vor dem Kamin saß und mich ganz fest auf mein magisches Buch konzentrierte, geschah es, dass ich in leuchtenden Buchstaben Ihren Namen, Zapod [...] vor mir sah!

Ihre Visionen haben also die gleichen Probleme meinen Namen richtig zu schreiben, wie sie selbst. Trotzdem hatte ich nach dem Satz gar nicht mehr das Gefühl einen anonymen Serienbrief bekommen zu haben. Es war ein ganz individueller Serienbrief. Ich fühlte mich soo verstanden!

Höhere Mächte haben mir befohlen, Ihnen zu helfen!

Um eines Vorweg zu nehmen, die höheren Mächte haben nicht befohlen, das auch kostenfrei zu erledigen.
Nach dieser fröhlichen Botschaft muss aber erstmal der nötige Druck aufgebaut werden. Nach fünf (!) gedruckten Seiten weiteren Blablas:

Ich muss daher unbedingt innert 10 Tagen eine Nachricht von Ihnen erhalten.

Das Wort "innert" ist im Übrigen keine schrullige Eigenart einer schrulligen alten Tante. Vielmehr ist es eine schrullige Eigenart eines ganzen schrulligen Volkes. In der Schweiz ist das Wort ganz normal. Was will man erwarten von einem Land, dass Motorräder "Töffs" nennt.

Wenn der Druck aufgebaut ist, wird es Zeit für eine handfeste Drohung:

Es wird nur während dieser 28 Tage funktionieren. Danach kann ich nichts weiter für Sie tun.

Wenn man bedenkt, dass Sie nichts mehr für mich tun kann, ist es doch umso erstaunlicher, dass ich danach noch zwei weitere Serienbriefe bekommen habe.

Ich will es kurz machen. Wenn man sich durch sechs Seiten erbärmlichen Hokuspokus' gekämpft hat, sich über die aufgedruckte Unterschrift gefreut hat, kommt Madame endlich zum Punkt:
Die Abschrift der geheimen Anweisungen aus dem Buch der Magie, die ich für ein nicht näher beschriebenes Ritual benötige, kostet weitere 50 Öcken. Dafür bekomme ich aber einen Mondstein geschenkt, den ich auf jeden Fall behalten darf.
Das ist ein bisschen, als wenn man das Monatsjournal der Modellbahnfreunde abonniert und als Belohnung dafür ein Schlüsselband der Gewerkschaft der Geldbriefträger bekommt. Man weiß gar nicht, was von beiden nutzloser ist.

Ein Zitat noch aus dem Brief. Der erste Satz neben dem Bild der alten Schreckschraube lautet:

Ich möchte Ihnen die unfehlbare Methode anbieten, mit der Sie dank der unglaublichen Kraft des zunehmenden Mondes an einen beträchtlichen Geldbetrag kommen - und das GRATIS"

Das Wort "gratis" war tatsächlich "GRATIS" geschrieben, hat also wohl eine gewisse Bedeutung. 50 € ist wohl die befremdlichste Definition des Wortes "gratis", die mir bisher untergekommen ist.

16. März 2009

Nischengeschäfte (2)

Ich war ja immer der Meinung, Homöopathie sei zu nichts nutze. Das stimmt aber nicht. Die Kügelchen sind zwar so wirksam wie ein Korken bei Durchfall, aber es gibt Leute, die viel Geld damit verdienen. So viel, dass ich heute wieder einen Buchladen vorstellen kann, der nur Bücher zu einem einzigen Thema verkauft.
Ihr ahnt es schon: Genau, Homöopathie. Und den Laden in Berlin gibt es schon seit Jahren.

Übrigens, kritische Bücher über die Homöopathie gibt es dort nicht. Ich habe gefragt. Dabei hätte ich dem Besitzer das eine oder andere empfehlen können.

Buchempfehlung des Monats (Februar '09)

Stephen Hawking ist wohl der bekannteste Physiker seit Albert Einstein. Er ist in der Lage Phänomene der Physik verständlich zu erzählen. Das ist in diesem Buch auch noch mit schönen Illstrationen verbunden. Wer also etwas über die Relativitätstheorie, Zeitreisen oder die Endlichkeit des Universums wissen möchte, aber keine Zeit für ein Physikstudium hat, ist mit diesem Buch gut bedient.

Mit diesem Buch werde ich die regelmäßige monatliche Buchempfehlung erstmal beenden. Ich kann einfach nicht so schnell lesen, dass ich jeden Monat eine neue Empfehlung hätte. Trotzdem werde ich Euch von Zeit zu Zeit von den Büchern berichten, die mir besonders gut gefallen habben.

23. Februar 2009

Wie man als Volk entscheidet

Meine Leser, die nicht aus Berlin kommen, werden vermutlich gar nicht wissen, dass bei uns am 26.04.09 ein Volksentscheid ansteht. Es geht um den Religionsunterricht, der nämlich in Berlin vernünftigerweise kein Pflichtfach ist, sondern ein freiwilliges Angebot. Stattdessen gibt es ab der siebten Klasse das Fach Ethik als Pflichtfach.
Ein moralische Erziehung ohne den allwissenden Zausel, der von seiner Wolke den großen Lauschangriff laufen lässt, ist den Pfaffen natürlich ein Dorn im Auge. Daher gab es ein Volksbegehren mit dem Ziel Ethik durch ein nach Konfessionen getrenntes Fach "Ethik/Religion" zu ersetzen.

So weit, so schlecht. Ich habe schon mehrfach den Bildungsauftrag meines Blogs betont. Daher möchte ich die Berliner unter meinen Lesern heute über den richtigen Umgang mit dem Volksentscheid aufklären. Mein Tipp: Nicht beachten!

Der Grund dafür liegt im Gesetz über Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid selber. In § 36 wird nämlich beschrieben, was passieren muss, damit ein Volksentscheid erfolgreich und für den Berliner Gesetzgeber bindend ist:

Ein Gesetzentwurf oder ein sonstiger Beschlussentwurf ist
durch Volksentscheid angenommen, wenn die Mehrheit der Teilnehmer und Teilnehmerinnen und zugleich mindestens ein Viertel der Stimmberechtigten zustimmt.


Bei 2,44 Mio. Wahlberechtigten müssen also mindestens 610.000 Berliner dafür stimmen. Selbst wenn das passieren sollte, würden die Pro-Reli-Gegner mehr als 610.000 Stimmen benötigen, um die Anachronisten aus den Schulen fernzuhalten. Das wäre eine Wahlbeteiligung von mehr als 50%. Zur Erinnerung, an der letzten Wahl zum Abgeordnetenhaus haben sich gerade mal 58% der Wahlberechtigten beteiligt. Das wird wohl nicht passieren.

Ich jedenfalls bleibe zu Hause und hoffe auf das gleiche Ergebnis wie beim letzten Volkentscheid in Berlin. Die Tempelhofbefürworter hatten zwar die Mehrheit der Wähler, aber nur 22% der Wahlberechtigten.

22. Februar 2009

Die Schattenseiten der Informationsfreiheit

James Tilton ist Lastwagenfahrer bei Yellow Transportation in San Francisco. Am 20. August des letzten Jahres hat er 2.200 $ für eine Organisation gespendet, die sich für ein Verbot von Homo-Ehen in Kalifornien einsetzt.
Spannend daran ist weniger, dass es in Amerika einen Haufen Homophober gibt, die sich gerne in die Leben anderer Einmischen und dafür bereit sind das sauer verdiente Geld auszugeben. (Wie viel mag wohl ein amerikanischer Lasterfahrer verdienen?) Bemerkenswert ist eher, dass ich diese Information so einfach bekommen kann, jemand anderer sie also problemlos beschaffen und ins Netz stellen kann.
Der Grund liegt in einem kalifornischem Gesetz, nachdem Spenden in bestimmter Höhe veröffentlicht werden müssen, um Korruption zu bekämpfen. Dann kommt ein fragwürdiges (weil quasi nicht existentes) Datenschutzrecht in Amerika und Google-Maps dazu. Schon kann sich jemand die Mühe machen und alle Spender für das Homo-Ehenverbot übersichtlich auf einer Karte darstellen.

Meine Sympathie für Menschen wie Mr. Tilton hält sich zugegebenermaßen in Grenzen, aber mit diesem Tool ließe sich ja noch viel mehr anstellen. Unsere Neurechten könnten alle Antifa-Mitglieder oder Ausländer übersichtlich auflisten, damit nicht mal versehentlich das falsche Haus brennt. Scientology könnte seine Gegner auf einer Karte eintragen. Was auch immer die anderen Sektenmitglieder damit anfangen.
Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Da hilft dann auch das deutsche Datenschutzrecht wohl nicht mehr viel.